Johann Graf

Gemeindeangestellter. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1906    † 1944

 

Lebenslauf

Johann Graf wurde am 6.6.1906 in Wien geboren. Er arbeitete als Gemeindeangestellter. Johann Graf war mit seiner Frau Rosalia verheiratet.

1941 Beitritt zur KPÖ, Flugblattaktion, Todesurteil, Hinrichtung

Johann Graf trat im Jahre 1941 gemeinsam mit seiner Frau Rosalia der KPÖ bei. Wenig später beschloss das Ehepaar, die Wohnung für Unterkünfte und Funktionärsbesprechungen des Zentralkomitees der KPÖ zur Verfügung zu stellen.

Das Ehepaar Graf beteiligte sich in der Nacht zum 1. Mai 1942 an einer Flugblattaktion. Es wurden Streuzettel folgenden Inhalts verbreitet:

"Mit großem Geschrei kündigt Hitler eine neue Offensive an, Das bedeutet neue Blutopfer für unsere Jugend. Das bedeutet aber auch neue Opfer, neues Elend für uns Arbeiter und Arbeiterinnen. Arbeiter und Arbeiterinnen! Denkt stets an dieses Blutvergießen. Kämpft mit uns gegen Hitler! Er allein ist der Mörder unserer Jugend. Sabotiert Hitlers Kriegsmaschinerie, wo ihr nur könnt! Arbeitet so langsam wie nur möglich! Jedes Stück mehr verlängert den Krieg!"

Johann und Rosalia Graf wurden am 15. Juli 1942 wegen des "Verdachts auf Vorbereitung zum Hochverrat" festgenommen. Am 22. Dezember 1943 wurden sie vom Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof angeklagt und am 14. April 1944 gemeinsam mit Emilie Tolnay und Therese Dworak vom Volksgerichtshof Wien wegen "Vorbereitung zum Hochverrat und Feindbegünstigung" zum Tode verurteilt. Johann Graf wurde am 21.6.1944, nur wenige Minuten nach seiner Frau Rosalia, im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus dem Urteil

“Seit Herbst 1940 beteiligte sich die Ehefrau Graf in der Wohnung der Eheleute Tolnay an staatsfeindlichen politischen Gesprächen, die sich insbesondere nach Ausbruch des Krieges mit der Sowjetunion verschärften und eindeutig kommunistische Färbung annahmen. Sie lernte dort unter anderen die Ehefrau Dworak kennen und bestimmte Mitte 1941 auch ihren Ehemann, an diesen Besprechungen teilzunehmen. Nachdem die Ehefrau Dworak und der Funktionär Neustadtl bereits im Juni 1941 die Eheleute Graf als Mitglieder der illegalen KPÖ zu werben versucht haben, erklärten sich diese im August 1941 der Ehefrau Tolnay gegenüber zum Beitritt bereit und führten in der Folgezeit bis Juni 1942 monatlich 1.- oder 2.- RM an die Ehefrau Tolnay ab, während sie von dieser etwa vier- oder fünfmal mit Einzelstücken kommunistischer Druckschriften beliefert wurden. Im September 1941 nahmen die Eheleute Graf den Funktionär Neustadtl für einen Monat in ihrer Wohnung auf und gewährten darüber hinaus (ihm) in der Folgezeit noch häufig Unterkunft.”

Ehrung von Rosalia Graf durch die burgenländische Landesregierung

Im Jahre 2009 wurde die Ehefrau von Johann Graf, Rosalia, durch die burgenländische Landesregierung eine späte Ehre zuteil. Es wurde ein Grabstein auf der Gruppe 40 aufgestellt, und der Kulturlandesrat Helmut Bieler legte einen Kranz nieder. Nunmehr befinden sich die Grabsteine von Johann Graf und Rosalia Graf in unmittelbarer Nähe zueinander.

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Ein biografiA-Modul-Projekt: "Österreichische Frauen im Widerstand", RosaliaGraf
  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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